Mobbing ist keine Kleinigkeit

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Warnsignale für Eltern
Möglichkeiten zum Umgang mit Mobbing

Warnsignale für Eltern
Kinder und Jugendliche teilen zuhause oft nicht alles mit, was in ihrem Leben passiert.
Vielleicht hat sich Ihr Kind in der letzten Zeit verändert, und zwar ohne ersichtlichen Grund. Auch, wenn Ihr Kind noch nie von Mobbing in seiner Klasse erzählt hat, bei folgenden Verhaltensweisen sollten Sie hellhörig werden. Denn Mobbing besteht nicht nur daraus, dass Ihr Kind mit Verletzungen nach Hause kommt. Mobbing ist viel heimtückischer, und die Anzeichen dafür sind oft leicht zu übersehen.
Ein Warnzeichen kann beispielsweise sein, wenn Ihr Kind einen großen Bogen um Mitschülerinnen und Mitschüler macht, und diese Kinder bzw. Jugendlichen in seiner Freizeit meidet. Sie wundern sich bereits über den kleinen Freundeskreis Ihres Kindes, weil es selten oder nie Freundinnen oder Freunde nach Hause einlädt. Im Gegenzug wird es selbst von anderen nie eingeladen. Feste wie seinen eigenen Geburtstag will Ihr Kind nicht im Freundeskreis feiern.
Vielleicht hatte Ihr Kind von Grund auf immer ein fröhliches Wesen, dann fällt Ihnen jetzt umso mehr auf, dass Ihr Kind unglücklich und deprimiert wirkt.
Schlafstörungen können bei Mobbing auch auftreten. Vielleicht kann Ihr Kind nur sehr schwer einschlafen, leidet unter Albträumen und sitzt mit dunklen Augenringen beim Frühstückstisch.
Plötzliche Leistungsabfälle in der Schule können ebenfalls eine Folge von Mobbing sein. Ihr Kind kann sich nicht mehr motivieren, gute Leistungen zu erbringen, vielleicht hat es sogar Angst, als „Streber“ zu gelten.
Einer der stärksten Indikatoren für Mobbing sind häufige Fehltage durch Krankheit. Meistens handelt es sich dabei um „Ein-Tages-Krankheiten“ wie Bauchweh, Übelkeit oder Kopfweh, die am nächsten Tag wieder verschwunden sind. Legen Sie hier besonderes Augenmerk auf den Zeitpunkt, an dem die Krankheit auftritt. Passiert es vor allem vor Schularbeiten, Tests oder Referaten, hat Ihr Kind vielleicht nur Nervenflattern. Verdächtig ist es, wenn diese Krankheiten zum Beispiel am Sonntagabend (vor Beginn der neuen Schulwoche) oder in den letzten Ferientagen auftauchen.
Gehen Sie die Punkte durch, und überlegen Sie: Gibt es vielleicht andere Gründe, weswegen mein Kind diese Symptome zeigt? Gab es vielleicht einen Streit im Freundeskreis? Kommen die Schlafstörungen vom neuen Computerspiel? Ist es in der Schule überfordert, kommt daher der Leistungsabfall? Hat sich bei uns zuhause, im privaten Umfeld etwas verändert?
Lassen Sie auch die wiederkehrenden Krankheiten von einem Arzt abklären, um festzustellen, ob eine gesundheitliche Ursache dafür vorliegt.
Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Veränderungen, die Sie bemerkt haben, und erklären Sie, warum Sie sich Sorgen machen. Machen Sie Ihrem Kind keine Vorwürfe, und behalten Sie gut gemeinte Ratschläge lieber für sich, solange Sie noch nicht wissen, was genau los ist. Das Wichtigste in dieser Situation ist erst einmal: Zuhören. Danach können Sie gemeinsam mit Ihrem Kind entscheiden, wie es weitergeht.
Möglichkeiten zum Umgang mit Mobbing
Ihr Kind wird gemobbt – vielleicht ist es bisher nur ein Verdacht, vielleicht hat Ihnen Ihr Kind selbst davon erzählt. Jetzt ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren, und nicht überstürzt zu handeln. Das Wichtigste: Entscheiden Sie nichts über den Kopf Ihres Kindes hinweg! Es ist nachvollziehbar, dass Sie eine große Wut auf die anderen Kinder oder Jugendlichen haben, die Ihrem Kind das antun, aber machen Sie nicht den Fehler, jetzt im Alleingang alles für Ihr Kind lösen zu wollen.
Der erste Schritt sollte sein, Ihr Kind zu fragen: Was brauchst du von mir? Wie kann ich dir helfen? Es kann sein, dass Ihr Kind Sie um Zeit bittet, weil es das Problem selbst lösen möchte. Diese Freiheit sollten Sie ihm geben. Sie können Ihrem Kind auch vorschlagen, dass Sie sich nach einem gewissen Zeitraum einschalten, beispielsweise, wenn die Situation nach zwei Wochen unverändert ist.
Legen Sie Ihrem Kind nahe, ein Mobbing-Tagebuch zu führen, oder legen Sie selbst eines an. Damit haben Sie ein Protokoll in der Hand, das Sie vielleicht noch brauchen können.
Wenn die Situation sich nicht bessert, ist es an der Zeit, die Schule einzuschalten. Machen Sie ein Gespräch mit dem Klassenvorstand aus. Versuchen Sie, dabei sachlich zu bleiben, und nicht in hysterisch vorgebrachte Vorwürfe zu verfallen.
Der nächste Punkt ist wahrscheinlich der schwierigste und längste: Überlassen Sie die Sache der Schule. Die Lehrpersonen sind nun am Zug, etwas zu unternehmen. Sie sind diejenigen, die die Klassendynamik am besten kennen. Haben Sie ein wenig Vertrauen darin, dass sie die richtigen Schritte setzen. Mobbing ist ein Problem, das man nicht innerhalb weniger Tage in den Griff bekommt. Hier müssen wochen- bzw. sogar monatelange Maßnahmen gesetzt werden. Mobbing ist vor allen Dingen Sache der Schule. Das Problem ist meistens in der Klassenstruktur verankert und kann daher nur mit allen gemeinsam gelöst werden.
Anders sieht es aus, wenn der Klassenvorstand Ihre Bedenken nicht ernst nimmt, und keine Maßnahmen gesetzt werden. In diesem Fall können Sie sich an die Schulleitung wenden, und in weiterer Folge an die Bildungsdirektion. Welche Möglichkeiten das Hinzuziehen eines Anwalts mit sich bringt, sagt Ihnen der Abschnitt „Was sagt das Gesetz dazu?“.
Als Elternteil möchten Sie Ihr Kind natürlich beschützen. Doch es gibt einige Punkte, die Ihrem Kind diese Situation noch erschweren können:
Hysterie. Wenn Ihr Kind Ihnen anvertraut, dass es gemobbt wird, ist es wichtig, dass Sie die Sache ernst nehmen, aber einen kühlen Kopf bewahren. Ihr Kind kommt zu Ihnen, weil es Rat braucht, und eine starke Schulter zum Anlehnen. Wenn Ihr Kind das Gefühl hat, dass Sie selbst mit dieser Situation überfordert sind, wird es erst recht den Mut verlieren. Im schlimmsten Fall fühlt es sich schuldig, weil es Ihnen davon erzählt hat.
Der Schule Vorgaben machen. Die Lehrerinnen und Lehrer wissen, was sie in dieser Situation zu tun haben. Ihnen vorzuschreiben, welche Strafen verhängt werden müssen, bringt Ihnen nichts ein außer den nachvollziehbaren Unmut der Lehrpersonen. Lassen Sie den Lehrern genügend Zeit, um ein Konzept gegen das Mobbing zu entwickeln.
Mobber direkt konfrontieren. Die Mobber kennen Sie in der Regel kaum oder gar nicht, von dem her ist ihnen egal, was Sie sagen. Sie zeigen damit sowohl den Mobbern als auch Ihrem Kind, dass Ihr Kind dem Mobbing alleine nicht gewachsen ist, und dass Sie die Probleme für Ihr Kind lösen müssen. Genau das wird Ihr Kind am nächsten Tag in der Schule zu spüren bekommen, denn wenn Sie nicht dabei sind, ist Ihr Kind den Mobbern wieder schutzlos ausgeliefert.
Eltern konfrontieren. Ähnlich ist es, wenn Sie die Eltern der Mobber kontaktieren. Die anderen Eltern werden selbstverständlich für ihr eigenes Kind Partei ergreifen.
Wehr dich doch. Wenn Sie Ihrem Kind diese Worte sagen, werfen Sie ihm vor, dass es sich nicht gewehrt hätte. Alle Mobbingopfer wehren sich auf die eine oder andere Art – nur leider ohne Erfolg. Das Schlimme daran ist, dass diese Worte Kinder in die Opferrolle drücken, im Sinne von: „Du bist selbst schuld, wenn du gemobbt wirst.“

Also, was kann ich tun?
Das Wichtigste für Mobbing-Opfer ist ein liebesvolles und stabiles familiäres Umfeld. Ihr Kind muss wissen, dass Sie hundertprozentig hinter ihm stehen.
Versuchen Sie nicht, Ihrem Kind vorzuschlagen, was es an sich „ändern“ kann, um nicht mehr gemobbt zu werden – „Wir gehen morgen shoppen, wenn du neue T-Shirts hast, wirkst du gleich viel cooler!“ – sondern fokussieren Sie sich auf die Stärken Ihres Kindes und stärken Sie sein Selbstbewusstsein.
Planen Sie Zeit ein, um mit Ihrem Kind Gespräche führen zu können, nicht nur zwischen Tür und Angel.
Eine Hilfe können auch neue Hobbys sein. So lernt Ihr Kind neue Menschen kennen und stärkt damit sein Selbstvertrauen.
Sie können Ihrem Kind professionelle Hilfe suchen, damit es seine Erlebnisse in einer Therapie verarbeiten kann. Selbsthilfegruppen und der Austausch mit anderen Mobbing-Opfern können sehr erleichternd sein, weil einem bewusst wird, dass man nicht alleine ist.
Helfen Sie Ihrem Kind, sich von der Rolle des ewigen Opfers zu befreien. Nur so wird es diese furchtbaren Erfahrungen hinter sich lassen und zu einem selbstbewussten Erwachsenen werden können.